Mittwoch, 25. Mai 2016

Lesbos mit Swisscross 4.5.-18.5.2016


Danke der freundlichen Nachfragen im Hintergrund - ich bin wieder gut aus Lesbos zurückgekommen, auch wenn ich noch gern geblieben wäre.♥ Für alle, die meine Bilderflut auf Instagram nicht angesehen haben, aber trotzdem Interesse haben, zeige ich meine Fotos auch hier im Blog.

Ich war als Volunteer für Swisscross/Schwizerchrüz.ch  auf Lesbos. Swisscross erfüllt auf der Insel aktuell je nach Anzahl der Volunteers drei Aufgaben - zuallererst den 24h-Schichtdienst an der Südküste am Campfire, wo es in Abstimmung mit dem UNHCR und verschiedenen NGOs darum geht, die Küste im Auge zu behalten und bei eventuellen Bootsankünften rasch bereit zu stehen und zu helfen. Swisscross ist die einzige Organisation, die im Süden der Insel 24h Bereitschaft mit Zurverfügungstellung von Non-Food-Items (Decken, trockene Kleidung, Schuhe, Wasser) macht.


Die türkische Küste auf der gegenüberliegenden Seite ist nur wenige Kilometer entfernt und - je nach Dunst und Wolken - eigentlich meistens recht gut zu sehen; ein Ticket auf der Fähre von der Türkei nach Lesbos herüber würde ironischerweise nur 10-15 Euro kosten.
Die vielen Menschen, die direkt drüben an der Küste warten und den Schleppern wesentlich mehr für eine viel gefährlichere Fahrt bezahlen müssen, werden aber, so lange der EU-Türkei-Deal hält, noch von der türkischen Polizei und Küstenwache an der Abfahrt gehindert.

Während meiner Zeit hatten wir bei Swisscross immer zu zweit 12-Stunden-Schichten von 12 bis 24 oder 24 bis 12 Uhr - eine angenehme Gelegenheit, seinen Schichtpartner richtig gut kennen zu lernen. In den Nachtstunden gibt es am Campfire richtiges Gedränge, da sitzen dann Leute von einigen verschiedenen Organisationen ums Feuer und halten Wache.
Nicht zu vergessen die Campfire-Hunde - Charlie und Marbella und, ab zwei Tage vor meiner Abreise, auch Costa.♥

Zweites Aufgabengebiet von Swisscross ist das Warehouse. Swisscross unterhält ein sehr großes Warehouse - ein Warenlager, in dem beeindruckende Mengen an Kleidung (theoretisch auch an Schuhen, aber die sind hier Mangelware und werden sofort wieder ausgegeben) gelagert, sortiert und je nach Bedarf wieder ausgegeben werden. Die Kleidung stammt zum einen aus Spenden, zum anderen ist es wiederaufbereitete Kleidung. Die Refugees haben ihre nassen Sachen nach der Bootsankunft oft ausgezogen und gegen trockene Kleidung getauscht; die nassen Sachen werden eingesammelt und gewaschen, dann sortiert und später wieder ausgegeben. Swisscross kooperiert im Moment auf Lesbos mit dem Camp Kara Tepe und beliefert die dortige Kleiderausgabe bzw. lagert auch Winterkleidung von Kara Tepe zwischenzeitlich bei sich.


Im Warehouse habe ich viel Zeit verbracht - es ist das Reich von Christina Räber, der Mutter von Michael und Sam Räber, die Swisscross operativ betreiben. Christina arbeitet seit vielen Monaten auf Lesbos durch und man wundert sich, wie sie das alles eigentlich schafft und immer den Überblick behalten kann. Sie macht nicht nur das Warehouse, sondern zwischenzeitlich auch die Gesamtkoordination auf Lesbos und macht auch viele Schichtdienste, wenn nicht genug Volunteers da sind. Außerdem hat sie ein großes Herz für all die streunenden Hunde hier.♥

Das dritte Aufgabengebiet, bei dem ich einmal mitmachen konnte, ist das Beach Cleaning. Lesbos ist so eine wunderschöne Insel und die Griechen, die von der EU in der Flüchtlingskrise so schrecklich im Stich gelassen werden, leisten hier im Rahmen ihrer Möglichkeiten ganz Großartiges - da ist es besonders wichtig, auch etwas zurückzugeben und mitzuhelfen, damit die Insel rasch wieder auf die Beine kommen kann.
Beim Beach Cleaning werden die kaputten Boote mit Messern in handlichere Teile zerschnitten, aufgestapelt und später abtransportiert, die Schwimmwesten zusammengebunden und gesammelt abtransportiert, die Kleidungsstücke eingesammelt, getrocknet und, wenn noch zu gebrauchen, recycelt und alles andere in Müllsäcke gepackt und entsorgt.


Es ist eine ziemlich anstrengende Arbeit, finde ich. Mit dem Messer dicke Gummiboote zerschneiden, ist nicht ganz meins, dazu bin ich zu ungeschickt ;-) ... deshalb trage ich lieber Sachen. Das alles liegt aber nicht auf einem "schönen", also irgendwie gut zugänglichen Strand herum, sondern man balanciert auf glitschigen Felsen, während man schwere Dinge schleppt. Stürze und kleinere Schrammen sind vorprogrammiert.
Persönliche Gegenstände zwischen den Steinen herausziehen ist dann wieder eine eher emotional schwere Arbeit.
Mein Respekt an alle, die nach Lesbos kommen, um hier ein oder zwei Woche oder sogar noch länger nur Beach Cleaning zu machen!

Die eingesammelten Schwimmwesten werden übrigens alle zentral deponiert - Fotos vom "Schwimmwesten-Friedhof" auf Lesbos habt ihr wahrscheinlich auch andernorts schon gesehen.


Das auf dem Foto ist nur ein kleiner Ausschnitt. Keiner weiß, wie viele Westen hier schon liegen - man schätzt die Zahl auf 300.000 bis 400.000. Schlimm ist, dass es sich hier nicht um lauter funktionstüchtige Schwimmwesten handelt, sondern dass viele "gefälschte" Westen darunter sind, also solche, die mit Sägemehl, Stroh oder sonst irgendwelchem Mist gefüllt sind und ihren Träger im Ernstfall nicht geschützt hätten/haben, sondern umso schneller ertrinken lassen, auch viele Kinder-Westen. :-(

Auf Lesbos gibt es im Moment drei Camps, wo Refugees leben - ein ganz kleines für besondere Fälle in Pikpa (etwa 100 Personen), das Camp in Kara Tepe, mit dem Swisscross kooperiert - hier leben etwa 930 Personen in Familieneinheiten in hausähnlichen Zelten, es gibt bereits einige Aktivitäten für die Frauen und Kinder im Camp, es ist sehr sauber, der Leiter des Camps ist sehr freundlich und extrem engagiert - und das schreckliche Detention Center in Moria, wo 3000 bis 4000 Menschen zusammengepfercht sind, mit Stacheldraht drum herum. Moria war davor ein Gefängnis und genauso sieht es aus. Alle Ankommenden müssen zuerst nach Moria und dürfen das Lager die ersten 25 Tage nicht verlassen. Die Situation dort ist ziemlich schlimm, nur vereinzelt haben Vertreter von NGOs Zutritt bekommen (man kann einen Antrag stellen, der wird aber meistens abgelehnt), (Trink-)Wasser gibt es nur aus den Wasserhähen im Waschbereich, um das an sich ausreichende Essen brechen jeden Abend Kämpfe aus, weil das Verteilsystem nicht funktioniert.

Zweimal ist eine Kollegin mit mir nach Moria gefahren und wir haben durch den Zaun mit Leuten gesprochen, haben Geschenke für die Kinder mitgebracht und verteilt, beim zweiten Mal auch Wasserflaschen für die Männer im hinteren Teil des Lagers. Wir haben mit sympathischen Männern aus Sri Lanka, Pakistan und Bangladesh gesprochen (einer von ihnen hat uns seine alte Schusswunde im Bauch gezeigt) und es ist schrecklich zu wissen, dass sie wahrscheinlich einfach aus den falschen Ländern kommen und wieder zurückgeschickt werden, obwohl sie zuhause verfolgt werden. Auch ein freundlicher Militär-Mann hat uns angesprochen und, ja, er macht für ein offenbar miserables Gehalt nur seinen Job und findet die Situation furchtbar. :-(
(Fotografieren ist hier eigentlich verboten, Bilder habe ich nur von weiter weg gemacht.)


Europa hat in der Flüchtlingsfrage schon so viel falsch gemacht.
Griechenland wird ganz alleine gelassen mit den vielen Menschen und Problemen. Zum Glück gibt es wenigstens NGOs und private Initiativen, die sich bemühen zu helfen.

Swisscross ist nicht nur auf Lesbos aktiv, sondern war seit einiger Zeit jetzt auch in Idomeni tätig und hat nun vor einigen Tagen unter der Kontrolle der griechischen Armee den Betrieb eines Lagers in Sindos in der Nähe von Thessaloniki übernommen. Falls ihr also irgendwo spenden möchtet, wo euer Geld garantiert sicher und sinnvoll eingesetzt wird, ist das eine gute Gelegenheit. :-) (Migrosbank 8010 Zürich Mülligen, IBAN CH11 0840 1000 0592 3559 4 für Rahel Räber, Zelgweg 1, 3110 Münsingen, Schweiz. BIC/SWIFT MIGRCHZZXXX. BLZ 8401, Paypal an michael.raeber@gmail.com).  Hier auf der FB-Seite von Swisscross könnt ihr euch täglich über die neuesten Entwicklungen auf dem Laufenden halten, Michael oder Sam machen regelmäßig Live-Schaltungen mit aktuellen Updates.

Falls ihr noch mehr Fotos von meinem Aufenthalt sehen wollt, insbesondere auch meine Massen an Bildern von streundenden und sonstigen Katzen und Hunden *g*, dann kann ich euch noch mein Foto-Video ans Herz legen:



Die Musik dazu ist von Ryan Harvey und Kareem Samara, "Thin Blue Border" - die beiden haben das Lied nach einem Aufenthalt auf Lesbos im Februar geschrieben und aufgenommen (Lyrics im Link).

Und falls ihr das Video nicht angesehen habt ... oder falls ihr das Video angesehen habt und euch über die Bilder am Ende gewundert habt ... äh, ja, das sind meine neuen Kater aus Griechenland, Amadeus und Nikos:


Die beiden waren neben Hund "Gipsy" die Haustiere von Swisscross. Swisscross hat aber zwei Tage nach der Abreise von Kollegin Jasmin und mir das Quartier gewechselt und ins neue Hotel konnten die Tiere nicht mitkommen. Die Katzen sollten ausgesetzt werden und das fand ich nicht so gut.
Ob es so eine gute Idee war, die beiden mitzunehmen, wird sich erst weisen. Grundsätzlich sind sie ganz wunderbar, aber leider würden sie gerne meine vier "Altkatzen" aus dem Haus werfen, was wir nicht ganz so fein finden. Mal sehen, ob sich die sechs noch zusammenraufen können, im wahrsten Sinn des Wortes.

Hm, das war heute viel Text. :-) Tut mir leid.
Für mich waren es zwei ganz besondere Wochen - eine so intensive Zeit hatte ich schon sehr lange nicht mehr. Nach fast 14 Jahren konnte ich das erste Mal für zwei Wochen die Verantwortung für meine Familie abgeben und etwas nur für mich machen - etwas, das mir sehr, sehr wichtig war. Gute, sinnvolle Arbeit leisten, wo sie wirklich gebraucht wird, gleichzeitig lauter wunderbare Gleichgesinnte kennen lernen, und das alles auf einer so schönen griechischen Insel. Gut, ich habe zwei Wochen lang zu wenig Schlaf bekommen und auf so manches verzichtet, das ich sonst zu brauchen glaube, aber ich wurde dafür sehr reich beschenkt. Es war sogar ein noch besseres Geburtstagsgeschenk, als ich mir erhofft hatte.♥

Ich wünsche mir, dass Familie und Arbeit bald wieder Zeit und Raum für einen Swisscross-Einsatz lassen.


Dienstag, 3. Mai 2016

Kleine Blogpause


Liebe Leserinnen, ich verabschiede mich für eine Weile von euch.


Morgen fliege ich nach Mytilini, um für zwei Wochen das Lesbos-Team von Schwizerchrüz zu verstärken. (Im Unterschied zu dem, was man auf der verlinkten Seite sieht, gibt es aber in Griechenland aktuell kaum noch Bootsankünfte von Flüchtlingen; die Tätigkeiten konzentrieren sich jetzt voraussichtlich eher auf das Sortieren und Bereitstellen von Spenden für die Lager auf der Insel und auf das Säubern der Strände von Schwimmwesten und kaputten Booten.)

Ich persönlich finde es furchtbar, wie Europa hier scheitert und die Menschen in Not, die unsere Hilfe brauchen, einfach hängen lässt. Natürlich weiß ich, dass nicht zwei, drei Länder alle Menschen aufnehmen können, die gerne ein besseres Leben haben möchten, aber ich meine, dass wir bei weitem Platz und Herz genug haben müssen, um zumindest all diejenigen bei uns willkommen zu heißen, die vor Krieg und Terror flüchten.

Meine Kinder sind 11 und 13 und vor allem meine jüngere Tochter ist sehr traurig, dass ich zwei Wochen wegfahre - bis jetzt war ich noch nie länger als drei Tage nicht da. Aber mein Mann nimmt extra Urlaub für einen großen Teil meiner Abwesenheit und ich bin sicher, dass sie die Zeit ohne mich gut hinbekommen.♥
Es ist mir wichtig, diesem hässlichen Gesicht, das Europa im Moment zeigt, etwas entgegenzusetzen, auch wenn ich alleine klein und unbedeutend bin.

Zusammen können wir viele sein.♥


(Direkte Arbeit mit Kindern ist nicht geplant, aber das hier ist kein Einsatz, wo man etwas planen kann. *g* Deshalb habe ich noch ein paar Mini-OhrenDingse für meinen Rucksack genäht, falls ich unterwegs doch das eine oder andere traurige Kind treffe, das Aufmunterung gebrauchen kann.)


Wir lesen uns dann gegen Ende Mai wieder ... oder ihr begleitet mich auf Instagram.

Montag, 2. Mai 2016

Regenbogen-Katzen


Nach dem Vorbild eines Shirts, das ich vor vier Jahren mal für meine Tochter gemacht hatte (hier), habe ich für ein süßes Mädel, das meine Sachen sehr gerne trägt, ein Katzen-Shirt genäht. Schnitt-Grundlage war hier "Xater" in der weiten Version, dem ich eine leichte A-Form verpasst habe.

Für das gleiche Mädchen ist auch eins meiner beliebten Regenbogen-Elodie-Drehkleider entstanden, wie ich sie schon recht oft hier gezeigt habe. ;-)


Habt einen guten Wochenstart! (Endlich Mai!)

Mittwoch, 27. April 2016

Noch mehr Ohrendingse


Sehr viel Abwechslung biete ich euch gerade nicht hier, sorry. ;-)
Habe noch 65 weitere Ohrendingse genäht. Therapeut Michael fliegt in der zweiten Maiwoche wieder nach Lesbos. Er wird diesmal bis zu einem Jahr dort bleiben und vor Ort ein Langzeitprojekt für die auf der Insel Gestrandeten aufbauen, mit dem traumatisierte Kinder und Erwachsene betreut werden sollen und das auch Unterstützung und Ausbildung für die HelferInnen bieten wird.
Ich hätte auch mehr Kuschelkissen genäht, aber Michaels Platz im Gepäck ist enden wollend ... Ich kann ja vielleicht noch welche mit der Post schicken.
Dafür habe ich ihm ein Stück "Berufskleidung" ganz nach Wunsch dazu gefertigt, in einer seiner Lieblingsfarben und mit Wunsch-Applikationen.



Schnittmuster: PAhenric von Ki-ba-doo

Sonntag, 24. April 2016

Fashion Revolution Day


Heute ist nicht nur eine ganz wesentliche Wahl in Österreich, sondern auch der Fashion Revolution Day 2016. Wir gedenken des furchtbaren Ereignisses vom 24.4.2013, als das Rana Plaza Building in Bangladesh einstürzte. 1127 Menschen starben, 2438 wurden verletzt. Ich schreibe hier bewusst nicht das Wort "Unglück", weil ich erst vergangenen Montag bei einer Demo gegen Rechts und für Flüchtlinge in einer Rede darauf aufmerksam wurde, was "Unglück" ist.
Sowas hier nämlich nicht.
Dass das Rana Plaza eingestürzt ist, war kein "Unglück". Das Gebäude ist aufgrund grober Fahrlässigkeit eingestürzt und die meisten von uns tragen ein klein wenig Mitschuld daran.
Die meisten von uns (und damit meine ich nicht uns, die wir nähen) tragen nicht nur selbst genähte oder fair produzierte Kleidung, sondern auch oder vor allem oder sogar ausschließlich Kleidung, die in Nähfabriken wie jener, die sich im Rana Plaza Building befand, unter unmenschlichen Bedingungen zu Löhnen, die diesen Namen nicht verdienen, produziert wird.


Im Unterschied zu vielen anderen Nähbloggerinnen sehe ich das Nähen nicht nur von der Hobby-Seite aus.

Ich habe 2008 mit dem Nähen als Hobby begonnen und einige Jahre mit Begeisterung meine Kinder mit bunter Kleidung benäht. Der Spaß stand dabei im Vordergrund und die Freude, einzigartige Dinge schaffen zu können, mit denen ich genau den Wünschen und Vorstellungen meiner Kinder entsprechen konnte. Ich habe dabei ziemlich viel Geld in mein neues Hobby investiert und mir anfangs naiv gedacht, der unverhältnismäßig niedrige Preis der Kaufkleidung lasse sich wohl durch die hohe Stückzahl irgendwie rechtfertigen.

Nach einigen Mühen habe ich es im Frühjahr 2012 geschafft, die Gewerbeberechtigung zum Nähen von Kinderkleidung zu erlangen, und habe fortan nicht nur für die eigenen Kinder genäht, sondern auch für "fremde". ;-) Ich dachte, auch manche andere, die nicht selbst nähen, würden gerne individuell gestaltete Kleidungsstücke ganz nach Wunsch für ihre Kinder haben. 

Und tatsächlich wollen auch viele andere Leute individuell gestaltete Kleidungsstücke, aber nur wenige sind bereit, dafür auch dem Aufwand entsprechend zu bezahlen.
Schuld daran sind wohl die großen Bekleidungskonzerne, die den Menschen das Gefühl geben, Kleidung sei einfach nicht mehr wert. Ich bekomme oft schriftliche Anfragen für Aufträge - ein Shirt mit diesem und jenem darauf, eine Mutter-Kind-Pass-Hülle, einen neuen Bezug für den Kinderwagen, was auch immer - und sobald wir zum Preis kommen, ist das Ende des Schriftwechsels erreicht. :-)
Nicht, dass ich Preise verlangen würde, von denen ich leben kann. Ich verrechne die Materialkosten plus einen Stundensatz von maximal 10 Euro für meine Arbeitszeit (das entspricht dem österreichischen Kollektivvertrag für unsere Branche), ich verrechne keine Umsatzsteuer, obwohl ich sie hinterher ans Finanzamt abführen muss, ich verrechne keine zusätzlichen Kosten.
Ich habe auch keinen Mangel an Aufträgen, im Gegenteil - wer bei mir etwas bestellt, muss mit längeren Wartezeiten rechnen.
Trotzdem ist es nichts, wovon man leben könnte.
Bisher hatte ich ein anderes solides Grundeinkommen und habe das hier zusätzlich gemacht, eher aus Spaß. Ab 2017 wird sich das ändern, deshalb werde ich - voraussichtlich ab Juni - Teilzeit und ein paar Monate später Vollzeit zu arbeiten beginnen.


Nähen ist eine wunderbare Tätigkeit. In deinem Kopf entsteht ein Bild von einem neuen Kleidungsstück und mit deinen Händen kannst du es umsetzen.
Aber es ist nichts wert in unserer Gesellschaft, oder jedenfalls zu wenig.
Vielleicht können wir das ja gemeinsam ein wenig ändern.

Bis 25.4.2016 könnt auch ihr euren Fashion-Revolution-Day-Beitrag noch bei Susanne verlinken.
Fashion Revolution Day Aktion

Dienstag, 19. April 2016

103 OhrenDingse für Lesbos♥


Heute zeige ich euch ein Herzens-Projekt von mir.


Vor einigen Wochen habe ich erfahren, dass eine liebe Bekannte von mir, Sabine Beck von den Wiener Grünen, mit einem Traumatherapeuten in Kontakt ist, der eine Reise nach Lesbos plante, um dort vor Ort mit traumatisierten geflüchteten Kindern und Erwachsenen zu arbeiten. Er hatte dafür ein Go-fund-me-Projekt angelegt, da habe ich gerne mitgespendet ... aber als ich gelesen habe, dass er von dem Geld auch Teddybären kaufen möchte, dachte ich sofort, dass ich da gerne mehr beitragen würde.
Schon war die Idee der Ohren-Kuschelkissen geboren. ;-)
Was ich mir dabei gedacht habe: Regenbogenbunt, um positive Gedanken zu machen. Weich, um damit zu kuscheln. Klein, damit es in jede Tasche passt und nicht gleich verloren geht. Quadratisch, damit es ein Kissen ist und beim Schlafen hilft. Mit freundlichem Gesicht. Mit Ohren, damit es ein liebes Tier ist, aber nicht so, dass man deutlich ein bestimmtes Tier erkennt (Kulturunterschiede - wer weiß, wer welches Tier wo wie gut/komisch/böse findet). Und mit einer kleinen Tasche auf der Rückseite - Platz für ein Foto, einen Zettel, ein Zuckerl oder auch, wie ich in der Praxis auf den Fotos immer wieder gesehen habe, die eigenen Finger.:-)

Dann habe ich Sabine und Therapeut Michael gefragt ... sie fanden die Idee super und Michael wollte gerne OhrenDingse mitnehmen. Etwas aus den Socken gehoben hat es mich dann bei der Zahl, denn sie wollten gern gleich hundert Stück haben. Aber geht nicht gibt's nicht bei mir. :-)
Also fleißig genäht ...


Und knapp nach Ostern alles glücklich übergeben.



Inzwischen ist Michael von seinem Aufenthalt schon wieder zurück, er hat ein paar Bilder gemacht, die ich auch verwenden darf, vielen Dank dafür, und deshalb könnt ihr hier ein Flipagram von der Entstehung bis zum Einsatz meiner OhrenDingse ansehen:


(Bilder aus Lesbos mit freundlicher Genehmigung von Michael Eder.)

Die nächste Reise von Michael ist schon geplant, wieder sollen meine "Puppets", wie sie in Lesbos heißen, mit dabei sein, deshalb wird hier schon für Nachschub gesorgt:


Verlinkt beim Creadienstag.

Montag, 18. April 2016

MiniLOU


Zwei Babykleider (MiniLOU von ki-ba-doo) in Größe 68 hat eine liebe Kundin bei mir bestellt - eigentlich war eine Kombi aus Orange und Gelb gewünscht, aber nachdem wir keinen kräftig gelb gemusterten Jersey finden konnten, der uns gefiel, haben wir doch gemeinsam etwas anderes ausgesucht.♥
Habt einen guten Wochenbeginn! (Bei uns leider mit Dauerregen ... örks.)